Philantrop: "Alte Menschen sollten Priorität haben" - Das sagt Bill Gates zur Coronakrise

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    • Philantrop: "Alte Menschen sollten Priorität haben" - Das sagt Bill Gates zur Coronakrise

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      STERN Digital schrieb:

      Jahrelang warnte Bill Gates vor den Gefahren durch Pandemien. Nun hat sich der ehemals reichste Mann der Welt zum Coronavirus zu Wort gemeldet.

      Lange Zeit galt Bill Gates als der verschrobene Nerd mit dem guten Geschäftssinn. Doch der lange Zeit reichste Mensch der Welt hat sein Image längst gewandelt. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Melinda bekämpfen sie mit ihrer Stiftung Hunger und Krankheiten - und warnen schon seit Jahren vor den Folgen einer Pandemie. Nun hat sich Gates bei Reddit ausführlich zu den Folgen der Coronakrise geäußert.

      In einem sogenannten "AMA" - Ask me Anything, also "Fragt mich was ihr möchtet" - stellte er sich bei der Plattform den Fragen der Nutzer. Und die hatten einen großen Wissensdurst. Gates gab sich in den Antworten bewusst diplomatisch, stellte keine Regierung an den Pranger, wollte offensichtlich keine Panik verbreiten. Trotzdem fand er klare Worte, was seiner Ansicht nach falsch gelaufen war.PAID Interview Horx_15.50Uhr

      Keine expliziten Vorwürfe

      Auf die Anmerkung eines Nutzers, dass Regierungen trotz der Warnungen durch Gates und andere Experten kaum vorbereitet gewesen seien, beschwichtigte Gates. "Niemand hätte vorhersehen können, wie hoch die Wahrscheinlichkeit wirklich war, dass ein neuer Virus auftaucht“, erklärte er, ohne explizit einzelne Regierungen zu kritisieren. Dass etwas falsch lief, scheint er aber auch zu sehen. "Wir bereiten uns auf mögliche Kriege und Brände vor. Und nun sollten wir uns mit derselben Ernsthaftigkeit auf die Möglichkeit vorbereiten, Pandemien zu bekämpfen." Er sei sich aber sicher, dass die Bemühungen der westlichen Staaten nach der Pandemie im Vergleich zur Vergangenheit deutlich steigen werden, um eine weitere zu verhindern, betonte er an anderer Stelle.

      Gates wurde auch gefragt, was er zum Ansatz der Niederlande sagt, die Gesellschaft nicht lahm zu legen, sondern eine Herdenimmunität durch eine kontrollierte Ausbreitung der Krankheit zu erreichen. "Das einzige Modell, von dem ich weiß, dass es funktioniert, ist eine strenge soziale Distanzierung. Wenn man das nicht tut, wird sich die Krankheit auf einen großen Teil der Bevölkerung ausbreiten und die Krankenhäuser mit schweren Fällen überfordern. Also sollte das trotz der Probleme, die durch ein Stilllegen entstehen, unbedingt vermieden werden." Seiner Ansicht nach dürften auch die Niederlande schnell anderen Staaten folgen.

      Die größte Angst habe Gates aber nicht um die reicheren Staaten, betonte er. "Wenn wir jetzt richtig handeln, ausreichend testen und uns voneinander fern halten, sollten wir in den nächsten zwei bis drei Monaten hohe Infektionsraten vermeiden können“, gab er sich sicher. "Ich mache mir zwar Sorgen um die finanziellen Schäden. Aber in den Entwicklungsländern werden die Folgen daher viel dramatischer sein. Dort ist es viel schwerer, voneinander Abstand zu halten. Die Bettenkapazitäten in Krankenhäusern sind viel niedriger.“

      Gates gibt sich optimistisch

      Doch auch für die USA gibt es drastische Vorhersagen. Das Imperial College hatte etwa in einer Simulation vorhergesagt, dass selbst dann zwischen 1,1 und 2 Millionen Amerikaner sterben werden, wenn es gelingt, die Infektionskurve abzuflachen. Gates sieht das nicht so pessimistisch. "Zum Glück waren die Parameter, die in diesem Modell genutzt worden, zu negativ. Unsere wichtigsten Daten sind die aus China: Sie konnten mit ihrer Ausgangssperre die Zahl der Neuerkrankungen senken. Sie testen weitreichend und können so alle Rückschläge sofort erfassen. Und es gab wenige. So verhinderten sie eine weitere Ausbreitung der Infektionen.“

      Ein Nutzer beklagte die unfairen Testbedingungen: Während Filmstars und Sportler auch ohne Symptome auf das Virus getestet würden, sei es in seinem Bundesstaat Washington an hohe Bedingungen geknüpft. Gates, der ebenfalls in Washington lebt, gab ihm Recht. "Wir müssen das Testsystem ausweiten und demokratisieren, indem eine Webseite der Gesundheitsbehörde das Eingeben der eigenen Situation erlaubt. Dann sollte man Prioritätsfälle innerhalb von 24 Stunden testen. Das geht, viele andere Länder tun es bereits. Angestellte im Gesundheitswesen sollten Priorität haben, ältere Patienten auch. Innerhalb von ein paar Wochen nach Einrichtung des Systems sollte man dann mit der aktuellen Nachfrage nach Tests aufgeholt haben. Ohne ein solches System wissen wir schlicht nicht, wenn etwas fehlt.“

      Warten auf den Impfstoff

      Auch zu möglichen Impfstoffen kannte Gates sich aus. Ein Nutzer wollte wissen, ob es möglich sei, die geschätzten 18 Monate bis zum Erstellen eines zuverlässigen Stoffes zu verkürzen. "Aktuell gibt es sechs verschiedene Ansätze", erklärte Gates. "Und wir werden jede Menge Produktionsstätten für sie bauen müssen, obwohl wir wissen, dass einige nicht wirken werden. Wir brauchen wortwörtlich Milliarden von Impfdosen, um die Welt schützen zu können. Also müssen wir dafür sorgen, dass die auch sicher sind."

      Immerhin sollten seiner Ansicht nach Mitarbeiter des Gesundheitswesens bereits vor Ablauf der 18 Monate geimpft werden können, die Masse müsse aber noch warten. An der Mühe der Experten liege das nicht. "Sie machen so schnell sie können“, war er sich sicher. Seine eigene Stiftung helfe etwa mit 100 Millionen Dollar diesen Bemühungen. "Und es wird mehr werden."

      Doch auch ans Ende der Krise glaubten viele – und wollten wissen, was danach unternommen werden sollte, um die nächste Pandemie zu verhindern. Er habe das bereits in einem Ted-Talk 2015 angesprochen, antwortete Gates. "Wir müssen die Diagnose, Medikamente und Impfstoffe sehr schnell hochskalieren. Die Technologie dazu gibt es – wenn richtig investiert wird. Die Länder müssen dazu zusammenarbeiten."

      Quelle:Reddit


      Quelle: stern.de/digital/online/bill-g…sfeed&utm_source=standard