Gesichtertausch: Deepfakes bei Disney und in Dokus: Die Porno-Technologie ist in Hollywood angekommen

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    • Gesichtertausch: Deepfakes bei Disney und in Dokus: Die Porno-Technologie ist in Hollywood angekommen

      STERN Digital schrieb:

      Bisher wurden die sogenannten Deepfakes vor allem für Pornos benutzt, Kritiker fürchten die Massenmanipulation. Nun zeigen sich aber immer mehr harmlose Verwendungen der Technik. Und auch Disney hat seine Finger im Spiel.

      Dass viele die Idee erschreckend finden, ist sofort nachvollziehbar: Mit Deepfakes lassen sich Videos so manipulieren, dass Menschen das Gesicht und die Mimik eines anderen aufgelegt wird. Das Missbrauchspotenzial ist groß - von politischer Manipulation bis zur leider bereits verbreiteten Nutzung in Pornos. Doch langsam kommt die Technologie auch in anderen Bereichen an: Zur Anomysierung und in Hollywood-Studios.

      Letzteres hat gerade Disney vorgeführt. Auf der gerade in London stattfindenden Animationsmesse Eurographics Symposium zeigte der König des Trickfilms, dass man auch die Deepfakes auf eine neue Ebene heben kann. Das Interesse der Hollywood-Studios überrascht wenig. Deepfakes würden es erlauben, glaubwürdige Kopien von verstorbenen Persönlichkeiten auf die Leinwand zu holen, wie es Disney mit enormem Aufwand bereits in den jüngsten "Star Wars"-Filmen mit Leia-Darstellin Carrie Fisher tat. Aber auch in Animationsfilmen könnte die Technologie völlig neue Möglichkeiten bieten.Disney Deepfakes

      Freies Wechseln zwischen Gesichtern

      Kein Wunder also, dass der Maus-Konzern sich mit viel Energie in die Forschung stürzte und sogar einen eigenen Algorithmus für das Übereinanderlegen der Quellmaterialien entwickelte. Der wurde nun mit einem Präsentationsclip und einer Entwicklungsstudie vorgestellt. Das Ergebnis ist durchaus beeindruckend. Disney zeigt, wie man frei zwischen mehreren verschiedenen Personen die Gesichter und die Mimik austauschen kann. Das Ergebnis ist klar besser als das von bereits verfügbaren Deepfake-Programmen, wenn es auch längst noch nicht komplett zu täuschen vermag.PAID STERN 2020_05 Ich weiss von dir, Was du nicht weisst 0630

      Dass die Clips überzeugender wirken als andere, liegt auch daran, dass Disney kräftig an der Auflösung gedreht hat. Bisher ist die Technik meist auf niedrige Auflösungen beschränkt, weil mit jedem Pixel auch die Komplexität der Berechnungen steigt. Das beliebte Programm DeepFakeLab  spuckt etwa Clips in 256 x 256 Bildpunkten aus. Der Nachteil: Sobald man die Clips größer sieht, zerfällt der ohnehin schon oft nicht besonders überzeugende Effekt vollends, es werden auch mehr die Unzulänglichkeiten sichtbar. Mit der nun gezeigten Auflösung von 1024 x 1024 Pixel benutzt Disney gleich 16 Mal so viele Bildpunkte, ist aber immer noch weit von den ultrahochauflösenden Bildern moderner Kinos oder Fernseher entfernt. Bis der Effekt in einem Disney- oder Marvelfilm die Zuschauer verblüffen wird, dürfte es also noch eine Weile dauern.

      Fakes als Schutz

      Doch auch für die technisch weniger überzeugenden Fakes hat Hollywood schon einen Nutzen gefunden. In seinem aktuellen Doku-Film "Welcome to Chechnya" erzählt Pay-TV-Gigant HBO, wie ein Netzwerk von Aktivisten verfolgte Mitglieder der LBGT-Gemeinde vor einem grausigen Schicksal in der muslimischen Republik Tschetschenien retten. Damit sie ohne Angst vor Verfolgung von ihren Schicksalen erzählen können, hat HBO den Geflohenen per Deepfakes ein neues Gesicht gegeben - gespendet von Freiwilligen. 

      Der Vorteil des Einsatzes der neuen Technologie gegenüber alten Methoden wie Schattenwänden oder Verpixelungen ist groß. Bei Deepfakes ist die Person zwar nicht mehr zu erkennen, ihre Mimik und die im Gesicht gezeigten Emotionen bleiben aber erhalten. So wirkt die Anonymisierung deutlich menschlicher und nahbarer.

      Als echte Deepfakes sehen die Macher das aber nicht. Im Gespräch mit "Recode" betont der für die Serie verantwortliche Special-Effects-Experte, Ryan Laney, dass er große Unterschiede zur anderen Nutzung der Technologie im Internet sehen würde. "Deepfakes sind als Praxis inhärent nicht einvernehmlich", erklärt er. In seinem Film sei das anders. Sowohl die bearbeiteten Personen, als auch ihre Gesichtsspender wussten, worauf sie sich einlassen und waren damit einverstanden. Und auch das Publikum werde nicht getäuscht. Der "Fake" ist damit eigentlich keiner mehr.

      Quelle:Disney, Recode

      Quelle: stern.de/digital/online/deepfa…sfeed&utm_source=standard