Erdwärme: Energie aus einer Tiefenbohrung soll Malmö komplett klimaneutral machen

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      STERN Digital schrieb:

      Günstige und natürliche Energie gibt es überall: in der Tiefe. In Malmö will man nun die Erwärme in sieben Kilometern Tiefe anzapfen – doch die Methode ist nicht ohne Risiko

      Erdwärme verspricht ein sehr großes Energiepotenzial, das an vielen Orten nutzbar ist. Bei ihr macht man sich den Umstand zunutze, dass es im Inneren der Erde immer heißer wird. Das Prinzip funktioniert so: Wenn Wasser in die Tiefe gepumpt wird, erhitzt es sich dort und kommt warm wieder zurück – so kann es als Fernwärme zum Heizen genutzt werden oder sogar zur Stromerzeugung. Während vulkanischer Bedingungen ist die Nutzung von Erdwärme auf Island besonders fortgeschritten.PAID STERN 2020_27 Ohne Energie 10.22

      In Deutschland gibt es einige kleinere Anlagen. Die Technik erlitt aber einen Rückschlag, nachdem eine Bohrung bei Staufen in Baden-Württemberg dazu führte, dass sich große Teile der Stadt absenkten und zahlreiche Häuser beschädigt oder gar abgerissen worden sind. Noch schlimmer traf es Pohang in Südkorea: 2018 erschütterte ein durch ein Erdwärmekraftwerk ausgelöstes Erdbeben mit einer Stärke von 5,4 auf der Richterskala die Stadt.

      Unbekannte Tiefen

      In Malmö soll nun eine große Anlage, die vom Energiekonzern E.ON gebaut wird, dazu führen, dass die Stadt bis zum Jahr 2030 komplett klimaneutral wird. Um das zu erreichen, wird in eine Tiefe von fünf bis sieben Kilometern vorgedrungen. Dort soll sich das Wasser auf 160 Grad erhitzen. In einem Bohrloch wird Wasser in die Tiefe gedrückt, dort breitet es sich aus, und in einem anderen Bohrloch steigt das heiße Wasser auf. Die Energie wird in einem Wärmeaustauscher abgeschöpft. Die Leistung soll 50 Megawatt entsprechen, das entspricht etwa 15 großen Windkraftanlagen. Der Bau ist vergleichsweise günstig. E.ON investiert 5,4 Millionen Euro, der Staat unterstützt das Vorhaben mit weiteren 1,2 Millionen Euro.

      Permanente Leistung

      Aber auch in Malmö kann es Probleme mit dem Untergrund geben. Denn anders als in Island wird nicht bereits vorhandenes heißes Grundwasser angezapft. Das Wasser wird, ähnlich wie beim Fracking, mit Gewalt in den Untergrund gedrückt und bildet dort Risse und Kavernen, in denen es sich erwärmt und zum zweiten Bohrloch strömt. Solche Veränderungen der Bodenschichten bergen immer die Gefahr, dass es zu Problemen an der Oberfläche kommt. Etwa dann, wenn sich Spannungen im Boden abrupt lösen, weil das Wasser als Schmiermittel zwischen tektonischen Blöcken wirkt.

      Im Vergleich zu anderen natürlichen Energiequellen besitzt die Erdwärme entscheidende Vorteile. Etwa, dass sie unsichtbar bleibt und nicht die Landschaft verschandelt. Doch vor allem kann sie konstant Energie liefern, es müssen also keine zusätzlichen Kapazitäten vorgehalten werden, wie es bei Sonnen- oder Windenergie nötig ist.

      Doch dafür müssen technische Wagnisse in Kauf genommen werden. Noch nie wurde für die Erdwärme so tief gebohrt. Doch je tiefer die Bohrung reicht, umso höher steigt auch die Umgebungstemperatur. Und erst bei den hohen Temperaturen, wie sie in Malmö erwartet werden, wäre nicht nur die Nutzung als Fernwärme, sondern auch als Stromerzeugung möglich. Denn Fernwärme wirft ein eigenes Problem auf: Die Energieerzeugung muss immer nahe an den Verbrauchern geschehen, Fernwärme kann nicht über Hunderte von Kilometern transportiert werden.

      Quelle: Spektrum

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      Quelle: stern.de/digital/technik/energ…sfeed&utm_source=standard