Neues Smartphone: LG Wing: Der Daniel Düsentrieb der Smartphone-Branche zeigt sein irrstes Experiment

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      STERN Digital schrieb:

      Während die Smartphones anderer Hersteller immer eintöniger werden, wird bei LG weiter eifrig experimentiert. Das neue LG Wing klappt sich mit einem zweiten Display zur T-Form aus. Für einen Erfolg des Experiments muss sich LG aber auf andere verlassen.

      Glas oder Plastik auf der Rückseite, ein Metallrahmen außenrum und ein großes Display vorne: Der Standard für Smartphones wurde schon vor Jahren gesetzt. Mit den Foldables kam letztes Jahr in Anlehnung an Falthandys endlich etwas Vielfalt auf. Doch soweit wie LG hat sich bisher keiner der Hersteller getraut. Das neu vorgestellte LG Wing versucht sich nun als Nachfolger der Sliders - mit einem ungewöhnlichen Formfaktor.

      Während sich die klassischen Slider-Handys aber um ein Tastenfeld erweiterten, schwingt sich beim LG Wing das 6,8 Zoll große Hauptdisplay seitlich nach oben. Und bildet dann mit dem unten freigelegten 3,9 Zoll großen Zweitbildschirm eine Art T-förmigen Frankenstein-Bildschirm. Bei der Position ist das Gerät überraschend flexibel: So kann das Hauptdisplay auch normal hochkant gehalten werden, also gegenüber dem Bild oben um 90 Grad gedreht. Dann ragt der zusätzliche Bildschirm aus einer der Seiten und erweitert das Bild dort. Oder man hält das Gerät mit dem Hauptdisplay unten, als umgedrehtes T. Alle Varianten sollen funktionieren, versichert LG.PAID Nido 2019_02 Wir Handy-Eltern 1315

      LG setzt auf A+B

      Genutzt wird die Zusatzfläche auf zwei Arten. Zum einen kann man sich eine zweite App hinzuholen, während die erste geöffnet bleibt. LG nennt das A+B-Konzept. So kann man etwa im Auto das Navi laufen lassen, während der Zweitbildschirm die Musik-Steuerung oder die Telefon-App anzeigt. Apps lassen sich auch als Paare definieren, die immer zusammen starten sollen. In der zweiten Variante, dem A+-Konzept, werden beide Screens von derselben App benutzt. So kann etwa die Tastatur dorthin verlagert werden, um oben mehr Raum für den Chat im Querformat zu haben. Bei Youtube lassen sich gleichzeitig mit dem im Vollformat genießbaren Video die Kommentare anzeigen. 

      Die zweite Variante hat allerdings einen potentiell sehr großen Haken: Die vom Nutzer genutzten Apps müssen den ungewöhnlichen Formfaktor unterstützen, um die zusätzlichen Informationen einblenden zu können. Das sei noch bei nicht besonders vielen Apps der Fall, musste der Konzern auf Nachfrage zugeben. Man sei aber zuversichtlich, dass bald viele weitere folgen. 

      Damit macht sich LG abhängig von der Unterstützung von Drittanbietern. Das klappt bei nischigen Ideen nicht immer. In der Vergangenheit hatte LG etwa beim Smartphone G5 eine halbmodulare Bauweise vorgestellt. Mit wenig Aufwand konnte man bei dem Gerät die Unterseite entfernen und es durch Aufsätze um Zusatzfunktionen wie besseren Lautsprechern erweitern. Auch Konkurrent Motorola hatte einen ähnlichen Ansatz getestet. Beide Geräte litten am Ende unter demselben Problem: Weil sie nicht weit genug verbreitet waren, lohnte es sich nicht, Aufsätze dafür zu entwickeln. Und der Mangel an spannenden Erweiterungen machte das Alleinstellungsmerkmal uninteressant. Da es sich beim Wing nur um eine Software-Erweiterung handelt, ist die Hürde allerdings niedriger als bei der teuren Entwicklung von Hardware. Wie viele Entwickler das Gimmick tatsächlich unterstützen, wird sich zeigen.

      Immerhin bleibt den Kunden die A+B-Lösung, das Anzeigen von zwei Apps dürfte nahezu immer funktionieren. LGs Argumentation für diese Variante ist aber durchaus skurril. Wenn man sich wirklich mal konzentrieren will und dann Notifications von einer zweiten App kämen, lenke das ab, so der Konzern. Und deshalb kann man nun auch noch die zweite App auf dem zweiten Bildschirm öffnen - und sich nach Logik LGs durch den Chat nebenbei besser konzentrieren. Ob das klappen kann, muss sich jeder potentielle Käufer selbst überlegen.

      Luxus-Mittelklasse

      An der Hardware sollte es zumindest nicht scheitern. Die ist zwar nicht absolutes Highend, aber durchaus sehr potent. In beiden Bildschirmen steckt OLED-Technologie. Beim Prozessor setzt LG auf den Mittelklasse-Chip Snapdragon 765, es stehen 8 GB Arbeits- und 128 GB Datenspeicher zur Verfügung. Auch 5G ist mit an Bord. Bei den Kameras bietet das Wing etwa eine ausfahrbare Frontkamera mit 32 Megapixel, auf der Rückseite befindet sich das Dreiersetup aus einer Haupt- (64MP) und einer Weitwinkelkamera (13 MP)  sowie einer Videolinse, die sich als bewegliches Gimbal nutzen lässt. Wie nützlich das tatäschlich ist, kann erst ein Test zeigen.

      Der Preis dürfte für einen Erfolg im Massenmarkt aber eine Hürde darstellen. Zwar ist das LG Wing deutlich günstiger als die Klapp-Smartphones auf dem Markt, mit einem UVP von 1099 Euro ist es preislich aber trotzdem schon sehr weit im Premiumsegment verortet. 

      Quelle: LG

      Quelle: stern.de/digital/smartphones/l…sfeed&utm_source=standard