Neue Konsole PS5: Playstation 5 im Test: Darum ist der Controller eigentlich besser als die Konsole

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      STERN Digital schrieb:

      Mit der Playstation 5 bringt Sony seine neueste Konsolengeneration in den Handel. Im Test erweist sie sich technisch zwar sehr potent – der Star ist aber der genial durchdachte Controller.

      Langsam tröpfelt der Regen auf den Schirm des kleinen Roboters Astro. Ich spüre jeden der prasselnden Tropfen aus dem Controller in meinen Händen. Erst als ich ins Trockene gehe, hört die hochaufgelöste Vibration auf. Dafür pfeift mir plötzlich der Wind um die Ohren. Als ich durch eine Sandkiste renne, knirscht es spürbar, bei Felsen ruckelt es. Der neue Dualsense Controller der Playstation 5 macht Spiele erlebbar wie nie. Und lässt die Playstation im Test viel neuartiger wirken als die tolle Technik.

      Doch der Reihe nach. Mit der Playstation 5 kommt am 19. November Sonys Nachfolger der extrem erfolgreichen Playstation 4 in den Handel. Und natürlich will der Hersteller an diesem Erfolg anknüpfen. Die kurz PS5 genannte Konsole setzt grundsätzlich auf dasselbe Konzept wie ihre Vorgänger: Tolle Exklusivtitel und starke Technik. Und natürlich kann sie auch in dieser Hinsicht überzeugen. Der Star ist aber der Dualsense.

            In optimierten Spielen wie dem Remaster von "Demon Souls" kann die PS5 auftrumpfen
      In optimierten Spielen wie dem Remaster von "Demon Souls" kann die PS5 auftrumpfen
      © Screenshot

      PS5: Viel Power im Wohnzimmer

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      Wer sich die mit ihren weißen Flügeln extravagant wirkende Konsole ins Wohnzimmer holt, bekommt auch satte Spieleleistung. Mit einem sehr schnellen Prozessor, viel Arbeitsspeicher und der schnellen SSD-Festplatte hat Sony die PS5 gewohnt auf Leistung getrimmt. So groß wie bei der letzten Generation ist der Sprung optisch aber nicht. Das liegt – wie auch beim Konkurrenten Xbox Series X - daran, dass es eine Art Zwischengeneration gab, die schon mehr Leistung als die ersten Modelle der letzten Generation hatte. Obwohl die Playstation 4 schon vor sieben Jahren erschien, sind seit Erscheinen des Pro-Modells nur vier vergangen. Die Kluft fällt also kleiner aus.PAID STERN 2019_52 Ich und Sam 18.19 Uhr

      Im Detail sieht man dann aber doch deutliche Unterschiede. Die PS5 schafft es häufiger als das Vormodell, eine schnelle Bildwiederholrate und ultrahohe Auflösung miteinander zu vereinen, trotz knackscharfer Grafik sind also auch Bewegungen enorm flüssig. Schwingt man sich etwa durch das New York des neuen "Spider-Man: Miles Morales" sieht das auf der neuen Konsole noch einmal deutlich echter aus als auf der PS4. Das liegt auch an der Technologie Raytracing. Sie stellt die Reflektion einzelner Lichtstrahlen korrekt dar – und sorgt dafür, dass sich der schwingende Spider-Man oder sogar komplette Kämpfe in den schimmernden Fassaden der New Yorker Hochhäuser spiegeln. Ein echter Wow-Effekt.

            Dank Raytracing spiegeln sich in "Spider-Man: Miles Morales" ganze Kämpfe in den Glasfassaden
      Dank Raytracing spiegeln sich in "Spider-Man: Miles Morales" ganze Kämpfe in den Glasfassaden
      © Screenshot

      Dass die PS5 bei der Rechenleistung der ebenfalls gerade erschienen Xbox Series X auf dem Papier minimal unterlegen ist, merkt man bei den aktuellen Titeln zumindest noch nicht. In einer Hinsicht unterliegt die Konsole dem Konkurrenten aber leider doch: Bei der Nutzung der enorm schnellen SSD-Festplatte. Sie lädt zwar, wie bei der Xbox komplette Spiele innerhalb kürzester Zeit. Die schnelle Wiederaufnahme der Xbox gibt es aber leider nicht. Während man bei der Microsoft-Konsole quasi nahtlos zwischen Spielen hin- und herschalten kann, als würde man die Serie bei Netflix wechseln, muss die Playstation die Spiele immer wieder neu starten. Während das bei "Spider-Man" zwar im Sekundentempo geht, dauert es bei älteren, noch nicht optimierten Spielen, teilweise deutlich länger. Hier wäre es wünschenswert, wenn Sony die Funktion irgendwann nachreichen könnte. 

      Echte Next-Gen-Erfahrung

      Dass sich die Playstation trotz des leichten technischen Rückstands eher nach einer neuen Generation anfühlt als die Xbox, liegt wie oben angedeutet am neuen Controller. Der Dualsense getaufte Steuerknochen hat nicht nur ein futuristisch anmutendes Design mit verspielten Details wie der Aufmachung der Griffe mit mikroskopisch kleinen Playstation-Symbolen. Er ist auch im Innern neu gedacht worden.

            Der Dualsense-Controller der Playstation 5 sieht nicht nur futuristisch aus
      Der Dualsense-Controller der Playstation 5 sieht nicht nur futuristisch aus
      © Malte Mansholt

      Die grundsätzliche Funktionsweise hat sich nicht verändert. Der Controller liegt in der Hand wie der PS3-Controller, bietet eine weitgehend identische Anordnung von Buttons. Spielt man mit ihnen nicht optimierte PS4-Spiele, spürt man quasi keinen Unterschied. Das ändert sich schlagartig, wenn man das richtige Spiel startet. Praktischerweise liegt der PS5 eines bei: Das vorinstallierte "Astro’s Playroom" erinnert stark an "Super Mario"-Titel – und soll den PS5-Besitzern die neuen Funktionen des Controllers nahelegen.

      Ein völlig anderes Spielgefühl

      Denn davon gibt es einige. Zuerst ist da die überarbeitete Vibration. Sie fühlt sich an, als würde man von Schwarz-Weiß-Fernsehen auf 4K-TV wechseln. Brummten die alten Controller bei Action etwas vor sich dahin, lässt einen die detaillierte Vibration des Dualsense selbst kleinste Details spüren. Einzelne Schritte, der Kies unter der Spielfigur, ein huschendes Streifen – alles erzeugt quer durch den Controller ein eigenes, präzises Vibrationsfeedback. Man fühlt, auf welchem Untergrund man sich bewegt, spürt, wie die Füße im Matsch festhängen oder wenn der Gegner rechts von einem auf den Boden schlägt. 

      Doch das beschränkt sich nicht nur auf das Gehäuse des Controllers. Auch einzelne Buttons oder die Steuerknöpfe können reagieren, erzeugen etwa einen Widerstand, wenn man an etwas festhängt. Auch der kleine Lautsprecher im Controller, den auch schon der Vorgänger besaß, tut seinen Teil und lässt das Knirschen des Untergrundes oder den blassenden Wind direkt aus den Händen kommen. Selbst das neu eingefügte Mikro wird in "Astro‘s Playroom" genutzt: Pustet man hinein, kann man etwa Windräder bewegen. Eine leichte Bewegungssteuerung wird ebenfalls unterstützt.

            Die Unterschiede zwischen den Felsen und dem Schlamm am Rand lässt "Astro's Playroom" den Spieler in völlig ungekanntem Detail erfühlen
      Die Unterschiede zwischen den Felsen und dem Schlamm am Rand lässt "Astro's Playroom" den Spieler in völlig ungekanntem Detail erfühlen
      © Screenshot

      Zusammen sorgt der Dualsense so für ein haptisches Feedback, wie man es selbst von den verspielten Nintendo-Konsolen noch nicht kannte. Ein fantastisches Erlebnis.

      Wie revolutionär der Controller tatsächlich sein wird, lässt sich aktuell noch nicht abschätzen. "Spider-Man" oder "Demon Souls" etwa fühlen sich damit deutlich weniger spektakulär an, als es beim Demo-Spiel der Fall ist. Zwar ist die Vibration klar detaillierter als bei älteren Controllern, die meisten Neuerungen lassen die Titel aber ungenutzt. Das liegt aber sicher auch daran, dass die Spiele eigentlich für ältere Konsolen entwickelt und angepasst wurden. Andere Entwickler haben bereits angekündigt, die neuen Möglichkeiten auch nutzen zu wollen. Bis aber mehr Games komplett um die Erfahrung herum gebaut werden, dürfte noch Zeit vergehen. Auf Sonys kommende Exklusivtitel darf man aber gespannt sein.

      Keine Kompromisse

      Sony befindet sich insgesamt in einer spannenden Situation: Steuerungsnovitäten wie die Bewegungssteuerung wie bei den Nintendo-Konsolen waren bisher immer an schlechtere Hardware gebunden, die reine Gestensteuerung Kinect bei der Xbox wiederum ließ sich nicht mit dem Controller verbinden. Der Dualsense ist da zugänglicher. Um ihn zu nutzen, muss man zudem keine Kompromisse bei der Performance machen. Kunden, die die Technik nicht nutzen wollen, können sie einfach abstellen. Sollten tatsächlich viele Hersteller sie unterstützen, könnte sie daher den Erfolg der PS5 weiter beflügeln – ohne die puristischen Zocker abzuschrecken.

      Anders als bei der Xbox müssen die Käufer übrigens auch bei der Wahl ihres Playstation-Modells weniger Kompromisse machen. Während die Xbox Series S auch bei der Leistung etwas eingeschränkter ist, beschränkt sich der Nachteil der günstigeren Playstation 5 Digital Edition ausschließlich auf das gestrichene Blu-ray-Laufwerk. Performance und Controller sind identisch. Wenn man also keine Spiele auf Disk kaufen oder Blu-rays schauen möchte, kann man guten Gewissens zum Sparmodell greifen.

      Genug Platz im Wohnzimmer sollte aber vorhanden sein: Die neuen Playstations sind echte Brummer. Vor allem die Xbox Series S wirkt im direkten Vergleich geradezu winzig. Weil das extravagante Design auch eher Geschmacksache ist, muss man also zuerst schauen, ob in der TV-Bank genug Platz für den Sony-Brocken ist.

        Das enorm große, extravagante Gehäuse dürfte viele TV-Bänke vor eine Herausforderung stellen
      Das enorm große, extravagante Gehäuse dürfte viele TV-Bänke vor eine Herausforderung stellen
      © Malte Mansholt

      Fazit: Next Gen – aber anders als gedacht

      Die neue Playstation 5 ist eine sehr potente Spielkonsole, die zusätzlich mit einem erstaunlich innovativen Controller überrascht. Trotz der minimal schwächeren Technik fühlt sie sich durch die tolle Erfahrung des Dualsense weit fortschrittlicher an als die neuen Xboxen.

      Ein echter Nachteil ist die fehlende Schnelllade-Funktion. Zwar sind die Ladezeiten in vielen Spielen deutlich verkürzt, der sekundenschnelle Wechsel zwischen den Games, wie ihn die neuen Xboxen beherrschen, ist aber immer noch erheblich schneller. Vielleicht kann Sony hier aber noch per Software nachhelfen.

      Wer sich nur eine der neuen Konsolen zulegen möchte, bekommt bei Playstation trotzdem mehr Neuerung fürs Geld geboten. Wer keinen Wert auf die Vibration legt und ein kleineres Gehäuse bevorzugt, sollte sich stattdessen die Xbox Series S ansehen. Die meiste Leistung gibt es bei der Xbox Series X. 
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      Die Playstation kommt am 19. November in den Handel und kostet 400 Euro in der Digital Edition und 500 mit Laufwerk.

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      Quelle: stern.de/digital/tests/ps5-im-…sfeed&utm_source=standard