"Frau Kleinanzeigen": Sexuelle Belästigung auf Ebay Kleinanzeigen: Instagram-Account sammelt Fälle

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      STERN Digital schrieb:

      Bei Ebay Kleinanzeigen sollen Sachen ge- und verkauft werden. Doch das Portal wird immer wieder genutzt, um vor allem Frauen sexuell zu belästigen. Der Instagram-Account "Frau Kleinanzeigen" teilt die Übergriffe, um auf das Problem aufmerksam zu machen.

      Erinnern Sie sich noch an die Ausstellung "Männerwelten", die Joko und Klaas in 15 geschenkten Sendeminuten auf Pro Sieben gezeigt haben? Geführt von Autorin Sophie Passmann zeigten sie die Abgründe männlicher Übergriffigkeit im Internet. Dick Pics, Beleidigungen, Objektifizierung: die traurige Wahrheit des Alltags von Frauen. 15 Minuten offengelegtes Patriarchat – die offenbar nicht viel gebracht haben. Denn eine Veränderung im Verhalten vieler Männer scheint es nicht gegeben zu haben.

      Das zeigt der Instagram-Account "Frau Kleinanzeigen". Dort werden unzählige Privatnachrichten der Plattform Ebay Kleinanzeigen geteilt, in denen Frauen (oder als Frauen gelesene Menschen) sexuell belästigt werden. "Echt lecker die Granaten", "Würdest du dich auch von mir nackt fotografieren lassen?" oder "Für einen Blowjob würde ich es kostenlos machen" sind nur einige Beispiele der sonst beispiellosen Angebote. Die meisten Verfasser solcher Nachrichten reagieren auf die Zurückweisung ihrer Offerten mit wütenden Beleidigungen. PAID Interview Johannes-Wilhelm Rörig Kindesmissbrauch 15.36

      "Frau Kleinanzeigen" will Missbrauch offenlegen

      Frau Kleinanzeigen hat die Seite gegründet, um auf das Problem der sexuellen Belästigung im Internet aufmerksam zu machen. Denn es sind keine Einzelfälle. Es sind nicht wenige schwarze Schafe, die sich nicht an die Netiquette halten. Es ist ein weitgreifendes Problem, das immer massiver zu werden scheint. Die Anonymität, in der sich viele Nutzer wähnen, wird schamlos ausgenutzt. Der stern hat mit "Frau Kleinanzeigen" gesprochen. Ihren echten Namen möchte sie nicht nennen. Sie ist 25 Jahre alt und hat im September ihr Bachelor-Studium abgeschlossen. 

      Wie kamen Sie auf die Idee, diese Seite zu erstellen?
      Man hört ja immer wieder: "Wenn du die Wohnung aufräumst und Geld brauchst, verkauf alte Sachen bei Ebay Kleinanzeigen." Das wollte ich machen, aber ich habe es kaum geschafft, irgendetwas loszuwerden. Weil man in der Anzeige oder am Profil erkennen konnte, dass ich weiblich bin. Besonders bei Klamotten ist es schlimm, aber manchmal reicht es schon, wenn der Gegenstand auf dem Foto von einer Frauenhand gehalten wird. Ebays Pressesprecher sagte einmal der "Saarbrücker Zeitung", das seien "schwarze Schafe", die sich nunmal überall unter die Leute mischen. Ich konnte nicht glauben, dass ich einfach nur Pech habe, an so viele von ihnen zu geraten, sondern habe vermutet, dass das auch anderen Frauen* öfter passiert. Dass die Seite so viel Aufmerksamkeit bekommt und ich fast täglich Einsendungen bekomme, bestätigt mich in der Annahme, dass das Problem viel grundlegender und struktureller ist, als Ebay eingestehen will. 

      Hatten Sie ein bestimmtes Ziel vor Augen, als Sie den Account erstellt haben?
      Der erste Impuls war: darüber sprechen. Ich war so wütend und hatte das Gefühl, ich muss irgendetwas dagegen tun, wenigstens den Mund aufmachen und Verbündete suchen, die darüber genau so wütend sind wie ich. Momentan möchte ich hauptsächlich Aufmerksamkeit schaffen, das Problem sichtbar machen. Zum einen ist es eine Anlaufstelle für alle, denen das gleiche passiert ist wie mir, zum anderen bietet es einen Einblick in das Leben als Frau* online – manche Männer können gar nicht glauben, dass uns das wirklich täglich passiert, selbst auf einer harmlosen Plattform wie Ebay Kleinanzeigen. Vielleicht trete ich irgendwann als Stellvertreterin auch direkt mit Ebay in den Diskurs. Das möchte ich aber erst tun, wenn die Plattform groß genug ist, um mir den Rücken zu stärken und die Erfahrungen nicht mehr als Einzelfälle abgetan werden können, sondern Teil einer gesellschaftlichen Bewegung sind.

      Sie bekommen sicherlich einige Einsendungen – wie gehen Sie damit um?
      Ich bin dankbar für jede Einsendung, weil sie mir bestätigt, dass meine Arbeit wichtig und relevant ist und dass ich mit dem Problem nicht alleine bin. Natürlich muss ich immer wieder den Kopf schütteln über die Dreistigkeit und Übergriffigkeit, aber es tut gut, die Verzweiflung nicht allein zu spüren, sondern mich gemeinsam mit anderen aufregen zu können. Damit ich nicht permanent empört über die Welt bin, versuche ich, nicht zu viel Zeit am Tag auf dem Account zu verbringen. Ich teile ein bis maximal zwei Posts pro Tag, da ich auf jeden Beitrag ja auch Reaktionen bekomme, die ich wiederum verarbeiten muss. Auf meinem privaten Account sorge ich für eine ausgeglichene, positive Timeline und morgens und abends im Bett lasse ich die Finger ganz vom Internet. 

      Sexuelle Belästigung im Internet ist ein großes Problem: Wie können sich Betroffene dagegen wehren?
      Wenn Sie das herausfinden, sagen Sie Bescheid! Nein, im Ernst – das ist eine sehr wichtige Frage, nur leider habe ich dafür auch noch keine perfekte Lösung gefunden. Oft wird zum Ignorieren geraten, um die Person nicht auch noch zu bestätigen. Das ist für viele der leichteste und vor allem sicherste Weg. Manchmal gebe ich aber auch ordentlich Kontra, denn ich will nicht, dass die Belästigenden denken, ich wäre ihnen wehrlos ausgeliefert. Ich finde es auch bestärkend zu sehen, wenn andere den Mund aufmachen und deutlich sagen, dass sie diese Nachricht oder Bemerkung nicht okay finden. Natürlich sollte man dabei immer zuerst auf die eigene Sicherheit achten, denn manchmal wird das Gegenüber daraufhin ausfallend. Natürlich bietet jede Plattform (auch Ebay Kleinanzeigen) eine Blockier- und Meldefunktion. Warum ich besonders die Meldefunktion auf Kleinanzeigen problematisch finde, erkläre ich in einem Instagram-Story-Highlight.

      An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen (da viele das gar nicht wissen), dass man unerwünschte Nacktbilder bzw. Dick Pics anzeigen kann! Und zwar unabhängig von der Plattform. dickstinction.com hilft bei einer schnellen Anzeigenerstellung. Auch wenn es durch die Anonymität im Internet oft schwer ist, die tätliche Person ausfindig zu machen, würde ich es trotzdem immer wieder tun – selbst wenn es nur der Statistik hilft, mit der wir dann belegen können, wie so etwas tatsächlich passiert.

      Quelle: stern.de/digital/online/sexuel…sfeed&utm_source=standard