Antike: Trireme – wie ein Ideen-Diebstahl Rom zur Seemacht Nummer eins machte

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      STERN Digital schrieb:

      In den punischen Kriegen mussten die römischen Legionäre auf dem Wasser kämpfen. Dafür kopierten sie ein Schiff der Gegner und nahmen dabei eine Veränderung vor, gegen die Kathargo machtlos war.

      Am Beginn des Aufstiegs zur Weltmacht basierte die Macht Roms ausschließlich auf der Kraft der Legionen – also von Fußsoldaten. Doch die damalige Welt gruppierte sich um das Mittelmeer. Wer über den italienischen Stiefel hinauswachsen wollte, musste Seemacht werden. Das bemerkten auch die Römer schmerzlich. Als Rom größer wurde, war die Konfrontation mit der dominanten Macht des westlichen Mittelmeeres, den Phöniziern, unausweichlich. Das spätere Imperium wurde von einem Straßennetz zusammengehalten, die Phönizier befuhren von ihrer Hauptstadt Karthago aus die Meere.

      Auf den ersten Blick musste das ihnen einen unschätzbaren Vorteil gegenüber Rom geben. Denn wie konnte man die Länder des Mittelmeeres beherrschen, wenn die See Karthago gehörte? Schon Sizilien konnte nur auf Wasser erreicht werden. PAID Die Rückkehr der Peking 14.40 Uhr

      Der Zufall half Rom

      Bekannt ist, dass die Legionen, die damals noch auf dem Aufgebot basierten, den Söldnerheeren Karthagos auf Dauer überlegen waren. Aber die Phönizier hatten die Römer auch zur See unterschätzt. Ihnen gelang es von null auf hundert zur führenden Seemacht zu werden. Denn die Römer waren gute Ingenieure und pragmatisch veranlagt. Anstatt lange zu rätseln, beschlossen sie, einfach ein Schiff aus Kathargo zu kopieren.

      Eine Qinquereme geriet in ihre Hand und sie wurde eins-zu-eins nachgebaut. Im Jahre 261 v. Chr. ließ der Senat erstmals eine eigene Flotte bauen. Sie bestand aus 100 Quinqueremen und 20 Triremen. Polybios schreibt dazu: "Dieses Schiff nahmen sie zum Modell und bauten danach ihre ganze Flotte. Ohne diesen Glücksfall hätten sie wegen ihrer Unerfahrenheit an die Ausführung ihres Planes gar nicht denken können." Trireme und Qinquereme waren Galeeren. Die Ruderer waren in drei Reihen versetzt übereinander untergebracht. Beim Fünf-Ruderer – Qinquereme – saßen je zwei Mann an einem der beiden oberen Ruder. Die Ruderer trieben das Schiff an. Vor allem im Gefecht. So konnte diese Schiffe stark beschleunigen, waren extrem wenig und dabei vom Wind unabhängig.

      In Hollywood-Filmen werden die Seeschlachten dieser Zeit gern wie in "Ben Hur" dargestellt. Die Ruderer – Sklaven – werden zum Äußersten angetrieben. Geschicktes Manövrieren brachte das eigene Schiff in eine Angriffsposition, der Gegner wurde dann mittschiffs mit einem Rammsporn gerammt. Wahlweise werden dem feindlichen Boot auch mit einem kühnen Manöver die Ruder abgebrochen. Solche seemännischen Glanzleistungen gab es, die Phönizier konnten ausgezeichnet mit ihren Schiffen umgehen. Sie manövrierten den Gegner aus und versenkten ihn dann mit dem Rammsporn.FS Zauberin

      Landschlacht auf dem Wasser

      Die Römer hatten andere Vorstellungen vom Krieg zur See. Ihr ideales Seegefecht sah wie eine Landschlacht aus. Die Schiffe lagen in langen Reihen nebeneinander. Das machte Manöver des Gegners schwer. Und dann hatten sie eine entscheidende Idee, wie sie ihre gewohnte Kampfesweise auf das Wasser übertragen konnten. Sie montieren lange Fallbrücken an den Bug der Schiffe. Jetzt musste ihre Reihe nur noch frontal auf die des Gegners zu fahren. Krachten die Reihen zusammen, fielen die Brücken herunter.

      Unten an den Brücken waren die "Raben" angebracht. Haken, die sich beim Aufprall fest in das Deck des Gegners bohrten. Beide Schiffe waren nun untrennbar verbunden.

      Das Gefecht wurde nicht weiter mit seemännischen Manövern ausgeführt, dazu gab es keine Möglichkeit. Dann stürmten die Legionäre in Kommandotrupps auf das gegnerische Deck. Dort war nicht so viel Platz wie auf dem freien Feld, aber dennoch konnten die Trupps dort auf die gleiche Weise kämpfen. Eng beieinander deckten sie sich mit den Schildern und unterstützen sich gegenseitig. Die in Filmen so beliebten wilden Tumulte vermieden sie. Für die Phönizier war das ein Schock. Ihre Besatzung bestand aus Seeleuten, und nicht aus disziplinierten Infanteristen.

      Schon in der ersten Seeschlacht von Mylae wurden die Karthager vernichtend geschlagen. Von 130 Schiffen verloren sie 50, gegen die Entertaktik waren sie machtlos.WISSEN Ant Pest

      Torsionsgeschosse an Bord

      Später nahmen die Römer weitere Verbesserungen vor. Auf den Schiffen befand sich ein Aufbau, das Kastell. Von dort aus konnten Bogenschützen in das Gefecht eingreifen. Sie verschossen Brandpfeile oder nahmen die Seeleute des Feindes aufs Korn. Das hatten schon andere Nationen so gemacht. Doch die Römer gingen weiter. Sie nahmen die Kriegsmaschinen mit an Bord, die ihren Truppen auch in der Landschlacht eine große Feuerkraft auf langen Distanzen verliehen. Katapulte und große armbrustartige Maschinen, die Speere abschießen konnten, die Ballistas, wurden an Bord montiert. Für den Einsatz auf Schiffen waren diese schweren Waffen gut geeignet, weil sie ihre Kraft aus der Verdrehung von Hanfseilen bekamen und nicht etwa durch schwere Gegengewichte. Mit Brandgeschossen konnten sie die Schiffe des Gegners schon von Weitem in Brand setzen. Schon ein kleines Feuer behinderte die Besatzung enorm, denn es musste unbedingt gelöscht werden, damit nicht das ganze Schiff Feuer fing.

      Das Napalm der Antike

      Lange nach den punischen Kriegen kam die nächste entscheidende Innovation. Marcus Vipsanius Agrippa, der fähigste General des Augustus, Ehemann von dessen Tochter und treuer Freund des Imperators, kombinierte die Idee des Enterhakens mit der Ballista. Nun wurden Speere mit Widerhaken verschossen, an denen lange Seile befestigt waren. Wenn sie sich in einem anders Schiff festbissen, zappelte es wie ein Fisch am Angelhaken. Die Römer holten die Seile ein und zogen den Gegner so nahe heran, bis ihre Infanterie mit der Sturmbrücke übersetzen konnte.

      Zur Zeit von Byzanz änderte sich die Taktik noch einmal. Die Oströmer versuchten nicht weiter, ein Seegefecht in eine Landschlacht zu verwandeln. Denn sie hatten das griechische Feuer entwickelt, das Napalm der Antike. Wurde diese Substanz, die sich einmal entzündet nicht löschen ließ, auf ein Schiff geschleudert, brannte es unweigerlich aus. Aus dem Nahkampf zur See wurde ein Gefecht aus der Entfernung.

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      Quelle: stern.de/digital/technik/trire…sfeed&utm_source=standard