Klage gegen NSO: Whatsapp überwacht: Vorwurf des Messengers bringt Pegasus-Hacker in Erklärungsnöte

    Für eine Neuregistrierung ist kein realer Email-Account notwendig,
    ABER derzeit keine Registrierung möglich.

    • Klage gegen NSO: Whatsapp überwacht: Vorwurf des Messengers bringt Pegasus-Hacker in Erklärungsnöte

      STERN Digital schrieb:

      Schon 2019 warf Whatsapp dem israelischen Spionage-Unternehmen NSO vor, 1400 seiner Nutzer bespitzelt zu haben. Jetzt zieht der Whatsapp-Chef eine Verbindung zum aktuellen Pegasus-Skandal und widerspricht dabei direkt den Erklärungen der Hacker.

      Es war ein Schock: Mindestens 1400 Nutzer von Whatsapp sollen über eine Sicherheitslücke des beliebten Messengers ausspioniert worden sein, warnte Mutterkonzern Facebook im Sommer 2019 (mehr erfahren Sie hier). Whatsapp-Chef Will Cathcart sieht einen klaren Zusammenhang mit dem aktuellen Abhör-Skandal um die israelische NSO Group. Und greift eine ihrer wichtigsten Rechtfertigungen an.

      Im Gespräch mit dem britischen "Guardian" nannte Cathcart erstmals öffentlich Details zu den 1400 Personen, die damals von dem Messenger-Hack betroffen waren. Es handle sich unter anderem um Personen, die hochrangige Positionen im Sicherheitsbereich "Verbündeter der USA" besetzten, erklärte er der Zeitung, darunter seien auch "führende Regierungsmitglieder". Schon 2019 hatte Whatsapp bekannt gegeben, dass es sich bei mindestens 100 der Opfer um Zivilisten handle, die als Journalisten, Anwälte, Aktivisten oder Akademiker ins Visier der Hacker gelangt waren.PAID STERN 2020_05 Ich weiss von dir, Was du nicht weisst 0630

      Imagekampagne

      Damit widerspricht Cathcart direkt offiziellen Erklärungen der NSO Group zu den in der letzten Woche durch einen Leak aufgedeckten Spionagemaßnahmen. "Wenn man kein Krimineller ist, muss man davor keine Angst haben", hatte Shalev Hulio, CEO der NSO Group, erst am Donnerstag in einem Interview mit "Forbes" verkündet. Eine im Rahmen des Projekt Pegasus aufgedeckte Telefon-Liste mit 50.000 potenziellen Spionage-Opfern des Unternehmens habe keinerlei Aussagekraft, betonte er. Die Berichterstattung sei "voller falscher Annahmen und unbewiesener Theorien." Das Programm sei an 40-45 Regierungen verkauft worden, um etwa in der Terrorbekämpfung eingesetzt zu werden, im Schnitt würden die nur knapp 100 Personen überwachen. Stelle man einen Missbrauch fest, könne man die Software für diese Staaten auch abschalten.

      Cathcart will das so nicht stehen lassen. "Die Berichte stimmen mit dem überein, was wir bei dem Angriff vor zwei Jahren beobachtet haben", ist er sich sicher. Die 1400 dokumentierten Angriffe auf Whatsapp-Nutzer seien damals alle im Laufe von nur zwei Wochen erfolgt. "Daraus lässt sich über einen längeren Zeitraum, über mehrere Jahre, eine extrem hohe Anzahl von attackierten Personen ableiten", glaubt er. "Deshalb war es wichtig für uns, unsere Bedenken öffentlich zu machen."

      Der Konzern habe die Attacke entsprechend schon 2019 mit Regierungen um die ganze Welt diskutiert, erklärte Cathcart dem "Guardian". Seiner Ansicht nach schaden Angriffe dieser Art der gesamten Bevölkerung. "Wenn so etwas Journalisten trifft, Menschenrechtsaktivisten, dann betrifft es uns alle. Und wenn ein Smartphone irgendeiner Person nicht sicher ist, ist jedermanns Smartphone nicht sicher." Whatsapp hatte entsprechend schon Ende 2019 Klage gegen NSO eingereicht.

      Es geht um Glaubwürdigkeit

      Für Whatsapp geht es um mehr als nur um einen einzelnen Angriff. Der Messenger kämpft in den letzten Monaten mit Imageproblemen. Als der Konzern jüngst seine Nutzungsrichtlinien erneuerte, waren so viele Nutzer skeptisch, dass Konkurrenten wie Signal oder Telegram einen regelrechten Boom erlebten und Whatsapp letztlich zum Einlenken gezwungen war. 

      Der Messenger, der seit 2014 zum Facebook-Konzern gehört, versucht sich schon länger als sichere Plattform für geschützte Kommunikation zu präsentieren, betont immer wieder, dass die Nachrichten dank Ende-zu-Ende-Verschlüsslung nicht bei der Übertragung mitgelesen werden können. Spätestens auf dem Gerät sind die Nachrichten aber wieder entschlüsselt, können von Angreifern mit Zugriff auf das Gerät mitgelesen werden. Das ist laut dem Pegasus-Projekt nun auch geschehen. Da Whatsapp anders als etwa Konkurrent Signal seinen Programmcode nicht offenlegt, könne man nicht einmal ausschließen, dass der Messenger selbst die Chats auswertet, betonte Experte Paul Rösler zudem gegenüber dem stern.

      Der Messenger gilt ohnehin als extrem datenhungrig. Auch ohne Zugriff auf die Nachrichten selbst sind die Zusatzinformationen zu den Chats, die sogenannten Metadaten, extrem wertvoll. Wer wann und wo mit wem schreibt, verrät enorm viel über die Nutzer, ihre Gewohnheiten und über ihre Netzwerke. Schickt man nur gelegentlich während der Arbeitszeit eine Nachricht hin und her, hat man in der Regel eine sehr andere Beziehung als Personen, die sich regelmäßig abends in derselben Wohnung aufhalten und auch mal nachts per Videoanruf telefonieren.

      Quellen:The Guardian, Forbes

      Lesen Sie auch:

      So übernehmen Hacker über Whatsapp Ihr Smartphone – ohne, dass Sie es mitbekommen

      Whatsapp: Diese drei Einstellungen sollten Sie laut Warentest unbedingt vornehmen

      Regisseur verrät: Darum haben Schurken in Serien und Filmen keine iPhones

      Quelle: stern.de/digital/smartphones/w…sfeed&utm_source=standard