TikToker Hamudi: Influencer wird grundlos beleidigt und bedroht: "Ich hatte Angst, auf die Straße zu gehen"

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    • TikToker Hamudi: Influencer wird grundlos beleidigt und bedroht: "Ich hatte Angst, auf die Straße zu gehen"

      STERN Digital schrieb:

      TikToker Hamudi wurde "aus dem Nichts" zur Zielscheibe von Hass und Drohungen im Internet. Heute will er anderen Opfern von Cybermobbing Mut machen.

      "Hässlicher Bastard, wenn ich dich sehe, ich zerfetze dich", "Du bist einfach ein Hundesohn", "Ich werde dich so zusammenschlagen" – solche und noch deutlich schlimmere Nachrichten gehören für den Influencer Hamudi fast schon zum Alltag. Vor etwa einem Jahr überrollte eine Welle des Hasses den 23-Jährigen, von der er sich immer noch nicht ganz erholt hat.

      "Ich hatte Angstzustände, ich habe wochenlang geweint, ich hatte Angst auf die Straße zu gehen", berichtet Hamudi im Gespräch mit dem stern. Auf der Social-Media-Plattform TikTok hat er fast 450.000 Follower, dort postet er mal lustige, mal ernsthaftere Videos aus seinem Leben. Bekannt aber wurde er, weil sich "aus dem Nichts" eine große Gruppe von Usern auf ihn eingeschossen hatte und ihm das Leben zur Hölle machte.PAID Cheyenne Ochsenknecht 6.35 Uhr

      Gerüchte um Trennung eines Paares

      Alles begann mit der Trennung eines ebenfalls auf der App bekannten Paares. Plötzlich verbreitete sich das Gerücht, Hamudi habe etwas mit der Trennung zu tun – völlig haltlos, wie der Influencer versichert. Trotzdem wurde er von Usern mit Beleidigungen, Beschimpfungen und sogar Morddrohungen überschüttet. "Am Anfang war das noch witzig", erinnert er sich. Schnell jedoch gingen ihm die Nachrichten nahe: "Ich war überfordert. Ich habe versucht, es lustig zu finden und so zu tun, als ob mich das nicht verletzt, das hat aber nicht viel geholfen."

      Unter dem Hashtag #alleswegenhamudi findet sich der gesammelte Hass gegen den Freiburger. "Es wurde normal, dass man mich für alles verantwortlich gemacht hat. Viele haben ihren Frust an mir ausgelassen", erzählt Hamudi. Selbst für schlechte Noten in der Schule hätten jüngere User ihm die Schuld gegeben. Noch mehr allerdings habe ihn verstört, dass sogar erwachsene Menschen im Alter zwischen 30 und 40 Jahren ihm Hassnachrichten schickten. Die Nachrichten, die dem stern vorliegen, enthalten Beleidigungen unter der Gürtellinie, in vielen werden unverhohlen Gewalt- oder sogar Morddrohungen ausgesprochen. Selbst auf der Straße wurde er angepöbelt, sagt Hamudi.

      TikTok: Hamudi möchte Opfern von Cybermobbing helfen

      Wirklich wehren konnte er sich nicht. Zwar versuchte er, die Polizei einzuschalten, die war angesichts der Menge der Nachrichten jedoch machtlos. Letztendlich blieb ihm nur noch, sich online zurückzuziehen – er verordnete sich selbst eine Handy-Auszeit und machte einige Monate Social-Media-Pause. Heute weiß er, dass er das noch früher hätte tun sollen: "Im Nachhinein würde ich mir keine Nachrichten und keine Kommentare angucken. Das macht ja etwas mit dir." Mittlerweile ist Hamudi wieder auf Social Media aktiv, doch immer noch bekommt er den Hass einiger User unter seinen Posts zu spüren, mit Kommentaren wie: "Oh Gott, der lebt ja noch!"

      Dennoch möchte Hamudi nicht schweigen – im Gegenteil: Er sei durch die Erfahrung selbstbewusster und stärker geworden, sagt er dem stern, und wolle nun anderen Opfern von Cybermobbing helfen. "Ich will ein Vorbild für andere sein, dass man nicht aufgeben soll, wenn man gemobbt wird", so Hamudi. "Man darf niemals alles in sich hineinfressen." Stattdessen ermutigt er dazu, mit anderen über die Probleme zu reden, Kommentare auf den Social-Media-Plattformen zu melden oder auch Anzeige zu erstatten.

      Hamudi selbst verhält sich nach eigenen Angaben jetzt vorsichtiger im Internet: "Ich überlege fünfmal, bevor ich etwas poste, ob das irgendwie falsch verstanden werden kann."

      Quelle: stern.de/digital/online/tiktok…sfeed&utm_source=standard