Neue iPhones: Das iPhone 13 Pro Max im Test: Eine Generation für sich

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    • Neue iPhones: Das iPhone 13 Pro Max im Test: Eine Generation für sich

      STERN Digital schrieb:

      Mit dem iPhone 13 Pro Max bricht Apple mehrere eigene Rekorde: Es ist das iPhone mit dem schnellsten Chip, dem hellsten Display und dem größten Akku. Und auch bei der Kamera will Apple sich selbst übertroffen haben. Ob das alles so stimmt, verrät unser Test.


      Es ist ein ganz schöner Trumm, den man da aus der Schachtel holt. Selbst für mich, der nun schon seit knapp drei Jahren die Max-Versionen verschiedener iPhones als Alltags-Gerät nutzt. Mit einer Diagonale von 6,7 Zoll ist das Display zwar genauso groß wie das des iPhone 12 Pro Max, trotzdem legt es mit einem Gewicht von 240 Gramm noch einmal gut 5 Prozent zu. Und ist damit das schwerste iPhone aller Zeiten. Das Mehrgewicht rechtfertigt das 13 Pro Max mit der schieren Masse an neu hinzugekommener Technik: Es schlägt gleich mehrfach Apples eigene Rekorde.

      Die Superlative verteilen sich durchs ganze Gerät: Vom extrem schnellen A15-Chip, der in den Pro-Modellen gegenüber dem Basis-Modell einen weiteren Grafik-Rechenkern und damit noch mehr Leistung mitbringt. Über das stark überarbeitete, noch hellere und sogar schnellere Display und die trotzdem angestiegene Akkulaufzeit. Bis hin zur weitgehend neu konstruierten Kamera-Einheit. Vor allem letztere hebt Apple - zurecht - als wichtigste Neuerung hervor.

      Herausragendes Design - wortwörtlich

      Und das nicht nur in den Werbematerialien: Um die verbesserten Linsen und die größeren Bildsensoren unterzubekommen, ragt die Kamera auch noch weiter aus dem Gehäuse heraus. Mit Ausnahme der etwas geschrumpften Aussparung für die Frontkamera in der Front ("Notch") gibt es im Vergleich zum Vorgänger aber sonst keine Unterschiede im Design. Das ist auch gar nicht nötig. Das kantige Gehäuse des letzten Jahres macht sich immer noch gut, der schicke Edelstahlrahmen wirkt auch im neuen Sierra Blau wirklich sehr hübsch und nach wie vor modern.

      Das Design mit dem schicken Edelstahlrahmen hat das iPhone 13 Pro Max vom Vorgänger geerbt 
      Das Design mit dem schicken Edelstahlrahmen hat das iPhone 13 Pro Max vom Vorgänger geerbt
      © Malte Mansholt

      Dafür hat Apple im Innern umso mehr umgebaut. Da ist zunächst der neue A15-Prozessor. Wie jedes der letzten Jahre setzt Apple auch bei diesem Prozessor Maßstäbe – auch gegenüber dem Basis-Modell (unseren Test finden Sie hier). Das bringt zwar nominell denselben Chip mit, die für Grafikberechnungen zuständige GPU rechnet im Pro-Modell aber mit fünf Kernen, im iPhone 13 und iPhone 13 Mini sind es nur vier. Im Test sorgt das für einen satten Leistungsschub. Während der Vorgänger, das iPhone 12 Pro Max, im Grafik-Test des Leistungs-Prüfungs-Programms Geekbench 5 einen Wert von etwa 9200 schafft, sind es beim iPhone 13 Pro Max 14643 – also fast 60 Prozent mehr. Zum Vergleich: Das Basismodell des iPhone 13 bringt es nur auf knapp 10700 Punkte.

      Mehr Leistung

      Dieses Plus an Leistung ist im Alltag bislang nicht zu spüren, auch weil kaum Apps diese Art von Rechenleistung abrufen. In Bezug auf Spiele, aber auch Berechnungen zur von Apple-Chef Tim Cook immer wieder als Zukunfts-Technologie beschriebenen Augmented Reality (AR) wird der neue Chip in Zukunft aber sicher einen Mehrwert bieten. Aktuell dürfte es aber nur für Hardcore-Zocker oder Entwickler als echter Kaufgrund taugen.

      Ohnehin waren die iPhone-Chips in den letzten Jahren bereits so schnell, dass sie sämtliche Anwendungen locker meisterten. Das Mehr an Rechenpower ist dann vor allem in kürzeren Berechnungszeiten aufwändiger Verarbeitungsprozesse in Fotos und Videos zu spüren. So ist die Anpassung des Fokus im neuen Kinomodus der Videokamera (mehr Details weiter unten) quasi in Echtzeit möglich. Das wäre mit älteren Chips nicht denkbar gewesen.

      Das neue Kamera-System mit überarbeiteter Weitwinkel-, Ultraweitwinkel- und Telelinse ist ganz klar der Star des iPhone 13 Pro Max
      Das neue Kamera-System mit überarbeiteter Weitwinkel-, Ultraweitwinkel- und Telelinse ist ganz klar der Star des iPhone 13 Pro Max
      © Malte Mansholt

      Die Kamera. Noch besser als im iPhone 13

      Tatsächlich ist die Kamera eines der wichtigsten Features der neuen iPhones. Wie schon öfter, wenn sich das Design nicht verändert hat, will Apple vor allem mit einem großen Sprung bei den Foto- und Videofähigkeiten seiner neuen Generation punkten. Und das trifft beim iPhone 13 Pro und Pro Max noch einmal deutlich mehr zu als beim Basismodell.

      Denn Apple hat das Kamera-Modul umfangreich neu gestaltet. Die Pro-Modelle haben einen neuen Bildsensor, dessen Pixel mit 1.9μm größer sind als die in allen bisherigen Smartphone-Kameras. Gemeinsam mit den größeren Linsen, der noch einmal größer gewordenen Blende (f1,5 bei der Hauptkamera, f1,8 bei der Ultraweitwinkel) und dem von 2,5x auf 3x angestiegenen Zoom-Faktor macht das Pro bei Fotos einen beeindruckenden Sprung.iPhone 13 vs iPhone 13 Pro Max Fotostrecke

      Das zeigt sich vor allem bei schlechtem Licht. Während auch iPhone 13 bei gutem Licht beeindruckende Fotos mit tollen Kontrasten und sehr natürlicher Farbdarstellung gelingen, schafft das Pro-Modell das nun auch dann, wenn die Sicht schon erheblich eingeschränkt ist. "Das sieht ja aus wie bei einer Spiegelreflex-Kamera" dachte ich spontan, als ich Bilder des abendlichen Hamburgs auf dem Display anschaute. Und hörte diesen Satz auch von anderen, denen ich die Bilder zeigte.

      Tatsächlich gelingen mit dem neuen Set-up selbst bei Gegenlicht oder in den Abend- und Nachtstunden Bilder, die früher nur von Profis mit Stativ und viel Fachwissen so eingefangen wurden. Nur das ich es nun als Halb-Laie im Automatik-Modus und aus dem Handgelenk kann. Die neuen Sensoren erkennen selbst in Gegenlicht und bei tiefen Schatten noch Details. Und während das iPhone 13 manche Feinheiten nur durch besonders hartes Aufhellen hervorheben kann, erkennt das Pro-Modell auch, welche Bereiche lieber im Schatten bleiben sollten. Die Wirkung ist wirklich beeindruckend. Beispielfotos finden Sie in der Fotostrecke oben.

      Eine der nützlichsten Neuerungen teilen sich die Basis- und die Pro-Modelle des iPhone 13: Wer möchte, kann nun seinen bevorzugten Stil von Fotos als Voreinstellung wählen, Bilder etwa immer besonders kontrastreich oder in einem warmen Ton einfangen. Das Besondere dabei: Der Stil wird durchgehend beibehalten, bis man ihn selbst wieder ändert. Da die Daten bei der Erstellung des Fotos eingearbeitet werden, wirken sie nicht wie Filter, sondern geben einen Grundton an, mit dem dann in der Nachbearbeitung weiter gearbeitet werden kann.

      Kinoreif?

      Auch den größten Star der Kameras teilen sich alle vier neuen iPhones: Den sogenannten Kinomodus. Dahinter versteckt sich die Fähigkeit, beim Filmen wie im Porträtmodus mit Unschärfen zu spielen, um den Effekt klassischer Filmaufnahmen zu erreichen. Dabei erkennt das iPhone automatisch, wenn Personen im Vordergrund sind, ob sie der Kamera das Gesicht zuwenden und wer gerade spricht. Und passt die Unschärfe an. Der besondere Clou: In der Kamera-App des iPhones lässt sich der Fokus auch nachträglich noch verändern. Und etwa festlegen, dass eine Person immer scharf sein soll. Die Unschärfe wird dann neu berechnet.

      In der Praxis funktioniert das teilweise zwar wie von Apple beworben, es gibt aber noch viel Luft nach oben. So ist die Funktion klar darauf ausgelegt, Menschen recht nah im Vordergrund platziert zu wissen und den Hintergrund scharf zu stellen. Der Fokus kann auch auf Bereiche in mittlerer Distanz gerichtet werden, ein unscharfer Vordergrund bei scharfen Details im Hintergrund lässt sich aber kaum umsetzen. Auch bei Bewegung läuft es noch nicht alles ganz rund. So kann es passieren, dass der Hintergrund erst unscharf wird, wenn man darauf zuläuft – was für einen merkwürdigen Effekt sorgt. Beschränkt man sich auf Personen im Vordergrund bis zu mittlerer Entfernung, funktioniert der Kinomodus aber durchaus und kann viel Spaß machen.

      Trotzdem wirkt der Modus eigentlich noch zu unausgereift, um als Zugpferd zu dienen. Ein Problem ist das zwar nicht - schließlich kann ich immer auf die sonst wirklich hervorragenden Aufnahmen aus den klassischen Film-Modi ausweichen. Etwas schade ist es aber. Da es sich weitgehend um ein Software-Feature handelt, kann Apple in Zukunft aber durchaus Verbesserungen nachlegen. Und so die Macken hoffentlich bald ausbügeln. Beispiele für den Kinomodus und die auch sonst sehr gelungenen Videoaufnahmen finden Sie im eingebetteten Videoclip.

      Eine Wonne in 120 Hertz

      Dass Videos auf dem iPhone 13 Pro Max noch mehr Spaß machen als vorher, liegt auch am neuen Display. Das ist in der Größe zwar nicht gewachsen, fällt dafür aber noch heller - die Spitzenhelligkeit liegt nun bei allgemeiner Nutzung bei 1000 Nit und bei HDR-Inhalten sogar lokal bei 1200 Nit -, farbechter und schneller aus als beim Vorgänger. Schneller? Richtig gelesen. Als erste iPhones unterstützen das iPhone 13 Pro und das iPhone 13 Pro Max eine Darstellung von 120 Bildern die Sekunde. Das bringt die Pro-Modelle auf den Stand der Technik. Andere Spitzen-Smartphones bieten schon länger Displays mit 120 Hertz, im Apple-Universum konnte bisher aber nur das iPad Pro mit der Pro Motion genannten Technologie aufwarten.

      Doch was hat die hohe Hertz-Zahl überhaupt für einen Effekt? Neben der offensichtlichen Antwort – Videos und Spiele lassen sich flüssiger darstellen – bedeutet es im Alltag in erster Linie deutlich weicheres Scrollen, etwa im Browser oder der Foto-App. Der Effekt mag zunächst kaum auffallen, wechselt man aber auf ein Gerät mit geringerer Bildwiederholrate zurück, wirkt das plötzlich merkwürdig abgehackt. Im Test erinnert es schnell an das erste Retina-Display im iPhone 4: Man fragt sich, ob man das wirklich braucht – und kann nach einiger Benutzung plötzlich kaum noch zurück.

      Dass Apple den Schritt nicht früher gewagt hat, dürfte einen einfachen Grund haben: Die Technik verbraucht unheimlich viel Akku – zumindest, wenn die 120 Hertz immer eingeschaltet sind. Apple setzt deshalb auf eine sogenannte Adaptive Bildrate. Im Klartext bedeutet das: Das iPhone schätzt je nach gerade gezeigtem Inhalt ein, welche Bildwiederholungsrate gerade angemessen ist. Dabei kann sie von 120 Hertz bis auf 10 Hertz herunterdrosseln, wenn etwa Standbilder wie Fotos angeschaut werden. Das Umschalten funktioniert so gut, dass es den meisten Nutzer:innen vermutlich nie auffallen wird. Im Test war die Anpassung selbst dann nicht bemerkbar, wenn man darauf achtete. Egal ob beim Spielen, Surfen oder Videoschauen: Stets fühlte sich der Screen enorm flüssig an. Und das, ohne dass der Akku in die Knie gegangen wäre.PAID Apples Zukunft: Apple macht sich bereit für die Zeit nach dem iPhone 13.51

      Dicker Akku

      Das liegt sicher auch daran, dass Apple dem iPhone 13 Pro Max noch einmal eine deutlich größere Batterie verpasst hat als dem ohnehin schon üppig bestückten Vorgänger. Das merkt man im Alltag. Selbst an einem Tag mit sieben Stunden Screentime, davon mehrere Stunden leistungsintensive Videoaufnahmen, waren Abends noch einige Prozent Saft drin. Dabei kommt es natürlich auch auf die Art der Nutzung an. Bis zu 25 Stunden des etwas weniger stromhungrigen Streamings von Videos verspricht Apple etwa mit einer Ladung. Tatsächlich brachte eine Stunde Netflix den Akku selbst bei voller Helligkeit nur um sechs Prozent nach unten. Das entspräche 16 Stunden Dauerschauen. Da man in der Regel eher bei geringerer Helligkeit schaut, ist Apples Angabe also durchaus realistisch.

      Das ist beeindruckend. Selbst wer sein Smartphone regelmäßig stundenlang mit Spielen, Videoaufnahmen oder ähnlich rechenintensiver Nutzung knechtet, dürfte damit immer durch den Tag kommen. Bei moderater gemischter Nutzung dürfte ein zweiter Tag eigentlich immer drin sein, wer wenig aufs Smartphone schaut, könnte sogar drei schaffen. Das ist noch mal ein echter Fortschritt.

      Sparsam bei Ressourcen

      Ein letzter Punkt, der die Kaufentscheidung beeinflußen könnte, ist die Umwelt. Apple legt viel Wert darauf zu betonen, wie viel umweltfreundlicher die neuen iPhones in der Herstellung und der Verpackung sind. So soll die Co2-Bilanz bei der Produktion der neuen iPhones um zehn Prozent gesunken sein, die in den Magneten des Magsafe-Systems verwendeten seltenen Erden stammen zu 100 Prozent aus recyceltem Material. Auch bei der Verpackung setzt Apple auf Wiederverwertung. Einen Effekt hat das Umweltbewusstsein allerdings auch beim Kunden: Wie schon beim Vorgänger liegen den iPhone-13-Modellen keine Netzteile mehr bei, beide Modelle bringen nur ein Kabel USB-C auf Apples Lightning-Stecker mit. Wer aber ein altes Netzteil hat, kann das problemlos nutzen.

      Fazit: Mehr – in fast jeder Hinsicht

      Fiel der Unterschied zwischen den Basis- und den Pro-Modellen noch spürbar, aber eher moderat aus, könnte er diesmal fast eine eigene Generation ausmachen. Obwohl das iPhone 13 schon ein wirklich gelungenes Upgrade zum Vorjahr ist, sind die Pros einfach in nahezu jeder Hinsicht noch einmal besser. Vom starken Display mit Pro-Motion, über die deutlich höhere Grafikleistung bis zur bei schlechtem Licht geradezu atemberaubend guten Kamera – das iPhone 13 Pro Max fühlt sich eine Klasse besser an. Da ist es auch zu verkraften, dass der experimentelle Kinomodus die Versprechungen Apples leider nicht erfüllen kann. Da das übrige Paket stimmt, trübt das die Freude kaum.

      Das tolle Gesamtpaket hat allerdings seinen Preis. Mindestens 250 Euro mehr zahlt man für die Pro-Modelle, soll es das Pro Max sein, sind es sogar 350 Euro mehr. Das ist viel Geld für Funktionen, die nur die wenigsten Nutzer:innen wirklich benötigen dürften. Eine echte Kaufempfehlung kann man deshalb nur für ambitionierte Nutzer wie ernsthaftere Smartphone-Fotografen, Spielefans oder Entwickler aussprechen, die das Mehr an Leistung in irgendeiner Form auch nutzen. Auch wer auf das ganz große Display oder die enorm lange Laufzeit nicht verzichten will, kommt am iPhone 13 Pro Max nicht vorbei.  Allen anderen würde das iPhone 13 vermutlich auch ausreichen. Aber es macht halt auch weniger Spaß.

      Das iPhone 13 Pro Max ist bereits im Handel, es kostet ab 1249 Euro. 

      Quelle: stern.de/digital/tests/das-iph…sfeed&utm_source=standard