Musiker, Politiker, Terroristen: Geheime Liste: Über diese 4000 Personen und Gruppen sollte man bei Facebook lieber nicht sprechen

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    • Musiker, Politiker, Terroristen: Geheime Liste: Über diese 4000 Personen und Gruppen sollte man bei Facebook lieber nicht sprechen

      STERN Digital schrieb:

      In einer internen Liste zählt Facebook Gruppen, Personen und Organisationen auf, über die Nutzer nicht positiv sprechen dürfen - und setzt diese Regel auch mit Strafen für diese Nutzer um. Dass diese Liste bislang geheim ist, ist nur eines der zahlreichen Probleme mit ihr.

      Menschen zusammenbringen und "tiefgreifende" und "bedeutsame" Interaktionen ermöglichen - das erklärt Facebook immer wieder zu seinem Ziel. Dass es dabei Grenzen geben muss, etwa bei Beleidigungen oder Drohungen, ist wohl jedem bewusst. Doch alleine positive Äußerungen zu den falschen Personen oder Organisationen kann zu einer Sperre führen. Nun ist die eigentlich geheime Liste durchgestochen worden.

      Dass es die Liste gibt, war grundsätzlich bekannt. Moderatoren bei Facebook berufen sich darauf, wenn sie Nutzer sperren. Nur wer genau darauf steht, das wollte der Konzern - trotz anders lautender Empfehlung aus dem internen Aufsichtsgremium - bislang nicht verraten. Die die auf Analyse von Leaks spezialisierte News-Seite "The Intercept" hat sie nun trotzdem veröffentlicht. Sie finden Sie Liste hier. STERN PAID Interview Hate Speech Wahlkampf

      Wie gefährlich ist wer?

      Die Liste liest sich wie ein Who-is-Who der internationalen Übeltäter, Verbrecherorganisationen und Radikalen. Über mehr als 4000 Einträge werden Einzelpersonen, kriminelle Gruppierungen, politische Organisationen und auch Musikgruppen gelistet, die Facebook als gefährlich bewertet. Eingeteilt sind sie in Untergruppen wie "Kriminalität", "Terror", "Gewalt" oder "Hass". Landet man auf der Liste oder bekennt sich als Mitglied einer der gelisteten Gruppen, wird man von Facebook und seinen Diensten gesperrt. Doch selbst das Sprechen über die Eingetragenen kann für die Nutzer Folgen haben.

      Laut "The Intercept" gibt es neben der groben Einteilung auch noch eine Art Gefährlichkeitsbewertung in drei Stufen. Im Extremfall - dem sogenannten Tier 1 -, kann selbst eine positive Erwähnung der Gruppen zu einem Rauswurf aus dem sozialen Netzwerk führen. Da die Liste immer wieder angepasst wird und die veröffentlichte Version nicht datiert ist, gibt es keine Möglichkeit zu erfahren, ob die Genannten nach wie vor auf der Liste zu finden sind und welche anderen Personen oder Gruppen hinzugekommen seien könnten.

      Klarer Einschlag

      Das sorgt für Kritik. Denn: Die Liste zeigt deutliche Einschläge, und auch die Gefährlichkeitsbewertung ist längst nicht so objektiv, wie man es sich wünschen würde. So ist die Liste klar dominiert von arabischen Namen. Ähnlich wie die US-Regierung scheint auch Facebook den islamischen Terrorismus als eines der größten Sicherheitsprobleme zu bewerten, in der Rubrik Terror finden sich Hunderte islamistische Gruppen und nur ein paar Dutzend andere. 

      Auch bei den kriminellen Vereinigungen stellte "The Intercept" einen starken EInschlag fest: Sie wird in der großen Mehrheit von lateinamerikanischen und afroamerikanischen Gruppierungen dominiert. In Deutschland geht das Extrem indes in die andere Richtung: Klar Deutschland zugeordnet sind nahezu ausschließlich rechtsextreme Personen, Organisationen und Bands. So sind etwa Adolf Hitler, Rudolf Hess, die Hitlerjugend aber auch Politiker der Partei "Die Rechte" und zahlreiche Rechtsrock-Band auf der Liste zu finden. Aus der öffentlichen Liste geht nicht hervor, wie gefährlich Facebook die Genannten bewertet.

      Sehr unterschiedliche Folgen

      Das wäre aber durchaus relevant für die Nutzer. Denn: Je nach Bewertung sind sehr unterschiedliche Diskussionen über sie möglich. Ist eine Person oder Gruppierung unter Tier 1 gelistet, darf sie in Facebooks Augen in keinerlei positivem Kontext genannt werden. Bei Tier 2, in dem sich laut "The Intercept" vor allem Rebellengruppen finden, dürfen nur nicht-gewalttätige Aspekte der Genannten positiv erwähnt werden. In Tier 3 wiederum gibt es keine Beschränkungen für bloße Diskussionen über die Genannten, nur sie selbst dürfen eben keine Accounts betreiben.

      Dass Facebook dabei vor allem aus der US-Perspektive bewertet, wird vor allem im Nahen Osten als Problem gesehen. Viele der auf der Liste befindlichen Organisationen sind dort schlicht Teil des politischen Systems, etwa der politische Flügel der libanesischen Hizbollah oder auch die nun in Afghanistan wieder an die Macht gekommenen Taliban. Indem Facebook diese Organisationen sperrt, macht sie es den dortigen Nutzern schwer bis unmöglich, über die örtlichen Machthaber zu diskutieren, ohne eine Sperre befürchten zu müssen, argumentieren Kritiker des Vorgehens.

      Einige Probleme hat "The Intercept" dokumentiert. Der Journalistin Rania Khalek wurde etwa ein Post bei Instagram unter Verweis auf "Gewalt oder gefährliche Organisationen" gesperrt - weil sie ein Wahlkampf-Plakat im Irak fotografiert hatte. Ein anderer Nutzer hatte nur einen Artikel zu dem Qassam-Brigaden gepostet und mit dem arabischen Äquivalent zu "Ooh" versehen - was von Facebook gleich als Lob interpretiert wurde. Beide fühlen sich zu Unrecht der Unterstützung der Gruppierungen beschuldigt.

      Facebook will seine Mitarbeiter schützen

      Vielleicht sind Kontroversen wie diese auch ein Grund, warum Facebook die Liste nicht veröffentlichen will. Laut einem Unternehmenssprecher gehe es vor allem darum, seine Mitarbeiter nicht zu gefährden und die Möglichkeit, Schlupflöcher zu finden, zu unterbinden. "Wir versuchen so transparent zu sein, wie es geht, und dabei die Sicherheit, die rechtlichen Risiken und eine mögliche Umgehung der Regeln im Auge zu behalten", sagte Brian Fishman, der bei Facebook als Politik-Direktor arbeitet, gegenüber "The Intercept". "Wir wollen keine Terroristen, Hass-Gruppen oder Kriminellen Organisationen auf unserer Plattform. Deshalb sperren wir sie aus und entfernen Content, der sie unterstützen soll."

      Quelle:The Intercept




      Quelle: stern.de/digital/online/geheim…sfeed&utm_source=standard