8,2 Zoll reine Power: Apple iPad Mini 6 im Test: das immer-dabei-Pad

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    • 8,2 Zoll reine Power: Apple iPad Mini 6 im Test: das immer-dabei-Pad

      STERN Digital schrieb:

      Mit dem iPad Mini hatte Apple vor zwei Jahren überraschend sein kleinstes Tablet neu aufgelegt. Mit dem neuen iPad Mini 6 wird es noch einmal kräftig aufgewertet. Und bekommt dadurch eine komplett neue Rolle.

      Wer braucht heutzutage noch ein Minitablet? Das war die erste Frage, die mir bei der Neuauflage des iPad Mini vor zwei Jahren in den Kopf kam. Smartphones sind mittlerweile nahezu genauso groß, Tablets gibt es mit fast viermal so großen Bildschirmen. Und auch ich war lange mit meinem 12,9 Zoll iPad Pro mit sehr viel Fläche verwöhnt. Als Apple nun das neue, stark verbesserte iPad Mini 6 vorstellte, war ich entsprechend skeptisch. Und wurde im Test rasch eines Besseren belehrt.

      Denn mit dem Neudesign hat Apple sein kleinstes Tablet tatsächlich von Grund auf neu gedacht. Da ist das neue Design, die bessere technische Ausstattung – und auch der nun spürbar höhere Preis. Das Einzige, was das Gerät mit dem alten iPad Mini noch gemein hat, ist letztlich der Name. Und die kleinen Gehäuse-Maße.

      Durch den schmaleren Displayrand bekommt Apple beim iPad Mini bei nahezu gleichen Maßen mehr Display im Gehäuse unterbringen
      Durch den schmaleren Displayrand bekommt Apple beim iPad Mini bei nahezu gleichen Maßen mehr Display im Gehäuse unterbringen
      © Malte Mansholt

      Ständiger Begleiter

      Und genau die machen es erstaunlich alltagstauglich. Denn: Anders als mein großes Pro-Modell oder das iPad Air findet das iPad Mini auch noch in einer Brust- oder Manteltasche Platz – und begleitet mich dadurch plötzlich erheblich öfter, als es bei den anderen Tablets der Fall war. Ob beim Warten auf den Friseurtermin, die Busfahrt oder in der Handy-Halterung des Autos als großes Navi: Das iPad Mini ist immer zur Hand. Dank neuer 5G-Unterstützung sogar mit eigener Internetverbindung. Hätte es auch eine Telefon-App, würde ich vermutlich sogar mein iPhone gelegentlich Zuhause lassen.

      Dass der Mehrwert gegenüber dem iPhone so groß ist, liegt allerdings an den starken Überarbeitungen, die Apple seinem Kleinst-Tablet gegönnt hat. Zum einen ist da das neue Design: Während der Vorgänger mit 7,8 Zoll Bildschirmdiagonale und einem noch beachtlichen Rand inklusive Homebutton aufwartete, orientiert sich das neue Modell klar am schicken neuen Look des iPad Air oder iPad Pro. Im Klartext heißt das: Die Ränder sind schmaler, die Seiten kantiger und der Homebutton wurde gestrichen. Der große Vorteil: Obwohl die Gehäusemaße nahezu gleich geblieben sind, ist das Display mit 8,3 Zoll spürbar größer geworden – und setzt so dann auch ausreichend von großen Smartphone-Bildschirmen ab.

      Immer, wenn ich mal etwas mehr Platz brauche, etwa beim Surfen, für die schnelle Netflix-Folge zwischendurch oder eine kurze Notiz zwischendurch mit dem Apple Pencil, kommt dann das Tablet statt des iPhones zum Einsatz. Moment, werden nun einige sagen, andere Hersteller bieten das doch längst in Form von Foldables in einem einzigen Gerät. Das stimmt. Aber so rund wie beim iPad Mini fühlt es sich auf keinem dieser Geräte an. Zumindest bislang. Apple bietet noch kein solches Faltmodell an. Dass das iPad Mini nur noch etwas breiter ist als zwei nebeneinander liegende iPhones, darf nun jeder interpretieren, wie er möchte.PAID Apples Zukunft: Apple macht sich bereit für die Zeit nach dem iPhone 13.51

      Kleiner Kraftbolzen

      Ein wichtiger Faktor für das gute Nutzungsgefühl ist, dass das iPad Mini sich - abgesehen von der Display-Grösse - nicht nach einem Kompromiss anfühlt. Das liegt daran, dass Apple technisch nicht gekleckert, sondern geklotzt hat. Als erstes iPad unterstützt das Mini Apples neuen A15-Chip, bietet dank eines zusätzlichen Grafikkerns sogar mehr Rechenleistung als die Basismodelle des iPhone 13. Nur das iPhone 13 Pro und die mit dem M1-Chip bestückten iPad Pro bieten aktuell mehr Leistung. Und das, obwohl das iPad Mini deutlich weniger kostet. 

      Diese Leistung ist im Alltag durchaus spürbar. Egal ob schnelle Spiele, Liveberechnung von Videoinhalten oder Grafikprogramme: Alles was ich mit dem iPad anstelle, flutscht über den Bildschirm. 

      Selbst bei Videotelefonie zieht das Kleine nun mit den Pro-Modellen gleich: Es unterstützt nun in Facetime den sogenannten Folgemodus. Bewegt man sich durch den Raum, wird das von der 12-MP-Frontkamera erkannt und sie richtet das Bild neu aus. So muss man nicht immer das iPad hin- und herbewegen, wenn man etwa beim Kochen videotelefoniert. Kommt eine weitere Person ins Bild, wird auch das erkannt und das iPad zoomt selbstständig heraus, um auch sie ins Bild integrieren zu können. Das funktionierte im Alltag super. Apples ohnehin schon tolle Videotelefonie wirkt dadurch noch durchdachter.

      Im Vergleich zum iPad Air in 11 Zoll wirkt das iPad Mini geradezu winzig
      Im Vergleich zum iPad Air in 11 Zoll wirkt das iPad Mini geradezu winzig
      © Malte Mansholt

      Klein, aber oho

      Auch das überarbeitete Display selbst macht viel Spaß. Zwar setzt Apple weiter auf LCD statt wie beim iPhone oder den Pro-Modellen auf OLED. Wegen der hohen Auflösung von 2266 x 1488 Bildpunkten, der starken Farbdarstellung und der auch draußen in der Regel ausreichend hohen Helligkeit gehört es aber trotzdem zu den besten Tablet-Displays. Dass anders als bei den Pro-Modellen des iPads und des iPhone 13 nicht die hohe Bildrate von 120 Hertz sondern "nur" 60 Hertz unterstützt wird, ist schade, aber verkraftbar. Ein kleines Manko: Scrollt man über längere Texte, zieht die linke Seite des Screen im Hochkant-Modus minimal nach, was für einen etwas merkwürdigen Effekt sorgt. Wirklich störend ist das aber nicht.

      Durch den schmaleren Rand hat sich auch das Seitenverhältnis geändert. Statt wie bisher auf 4:3 setzt Apple nun annähernd auf das modernere 3:2-Verhältnis und findet so einen guten Kompromiss zwischen dem bei vielen Android-Tablets üblichen, sehr breiten 16:9-Format und dem etwas angestaubten Verhältnis der Vorgänger. Die Balken bei Videos werden so schmaler, trotzdem bleibt mehr Platz für andere Inhalte!. Was vor allem die Hochkant-Nutzung angenehmer macht. 

      Apple orientiert beim iPad Mini 6 an der neuen Designlinie mit klaren Kanten
      Apple orientiert beim iPad Mini 6 an der neuen Designlinie mit klaren Kanten
      © Malte Mansholt

      Apropos Hochkant: Beim Wechsel der genutzten Seite ist das iPad Mini ungewohnt flexibel. Das hängt mit einer Design-Entscheidung zusammen. Die Lautstärketasten sind von der langen auf die kurze Seite gewechselt, sie befinden sich jetzt am "oberen" Ende, neben der Einschalttaste, die auch den gut funktionierenden Fingerabdruckscanner enthält. Wegen der sich dort befindlichen Kamera bietet es sich zwar an, dieses Seite oben zu lassen. Ein Muss ist es aber nicht. Dafür sorgt ein Kniff bei den Lautstärketasten: Die wechseln je nach Haltung des Gerätes nämlich die Rolle. Lauter wird es immer mit der Taste, die sich weiter oben oder im Hochkantmodus weiter rechts befindet. So muss ich nach kurzer Eingewöhnung nie überlegen, welche Taste nun zu drücken ist. 

      Anschlussfreudig

      Nicht ganz so flexibel ist die Nutzung des Apple Pencil. Mit dem Redesign unterstützt das iPad Mini nun die zweite Generation des smarten Stifts, er lässt sich wie schon beim iPad Pro oder dem iPad Air an der Seite anklippen, dort transportieren und dabei aufladen. Das geht aber nur an der vom Powerbutton aus rechten Seite des Gerätes, es gibt also im Prinzip doch ein klar definiertes "oben", wenn man den Stift anheftet. Der Stift hält dort übrigens gewohnt fest an seinem Platz. Schade: Eine Tastaturhülle wie für die größeren iPads bietet Apple nicht an. 

      Dass die zweite Generation des Stifts unterstützt wird, ermöglicht auch eine weitere Neuerung: Mit dem Wechsel auf den zweiten Apple Pencil fällt auch der Zwang zu Apples Lightning-Anschluss weg, über den die erste Generation des Stifts noch verbunden wurde. Wie die teureren iPads setzt daher nun auch das iPad Mini auf den modernen USB-C-Anschluss. Das ermöglicht schnellere Datenraten bei der Übertragung über das Kabel, aber auch den Anschluss von Peripheriegeräten wie externen Festplatten. Über eine Dockingstation konnte ich im Test sogar gleichzeitig Maus, Tastatur und ein Monitor über das kleine Tablet betreiben und darüber einen Teil dieses Textes schreiben. Wer möchte, kann es also sogar als Desktop-Ersatz benutzen, wenn die kleineren Einschränkungen des eigentlich für Tablets gedachten iPadOS nicht stören.

      Dann sollte es aber auch regelmäßig an die Steckdose. Zwar lädt das iPad Mini mit dem mitgelieferten 20-Watt-Netzteil etwas schneller als die Vorgänger, erheblich länger durchzuhalten schafft es aber nicht. Nach einigen Stunden Nutzung ist Schluss, für Heavy User wird es nur selten mehr als einen Tag durchhalten. Öfter woird sogar vor dem Abend der Saft ausgehen. Weil die meisten Menschen ihr Tablet aber seltener nutzen als das Smartphone, dürfte es in der Alltagspraxis in der Regel trotzdem mehrere Tage schaffen. Das ist für das kleine Gehäuse auch völlig in Ordnung.

      Fazit: Keine Kompromisse

      Mit dem iPad Mini der sechsten Generation ist Apple ein toller Alltagsbegleiter im Kleinstformat gelungen. Mit viel Leistung, jeder Menge Komfortfunktionen und einem tollen neuen Design wurde das iPad Mini erheblich aufgewertet und bietet nun nahezu die volle iPad-Erfahrung, ohne sich wie ein Kompromiss anzufühlen. Kleinere Mankos wie der Scroll-Effekt und die fehlende Tastaturhülle trüben den Spaß nur unwesentlich.

      Wer ein kleines Tablet suchte, wird hier voll auf seine Kosten kommen. Das hat allerdings seinen Preis: Mindestens 550 Euro kostet das neue iPad Mini im Netz, für die Version mit 5G-Unterstützung muss man gar 700 Euro auf den Tisch legen. Das ist viel Geld, wenn man bedenkt, dass für knapp 100 Euro mehr bereits ein iPad Pro zu bekommen ist. Das ist dann allerdings eben auch größer.

      In seiner Kombination aus Leistung und Größe ist das iPad Mini aktuell konkurrenzlos. Eine Alternative bei der Größe ist Samsungs Outdoor-Tablet Galaxy Tab Active 3. Es ist trotz kleinerem Screens nicht ganz so kompakt und bietet auch weniger Leistung, ist mit einem Preis ab 370 Euro aber deutlich günstiger. Wer ein iPad möchte, kann das überarbeitete Einsteiger-iPad oder das iPad Air der vierten Generation als Alternative ansehen. Beide sind mit 10,2 beziehungsweise 11 Zoll Display-Diagonale aber deutlich größer.

      Quelle: stern.de/digital/tests/apple-i…sfeed&utm_source=standard