Los Angeles: Relaxo- statt Verbrecherjagd: Polizisten ließen Räuber laufen - weil sie lieber Pokèmon fingen

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      STERN Digital schrieb:


      Pokémon Go legte im Sommer 2016 die Welt lahm. Deutlich später sorgte in Los Angeles ein Relaxo noch einmal für Unruhe. Und für eine erfolgreiche Flucht nach einem Raubüberfall.

      Straßen, die nicht passierbar waren, rammelvolle Plätze und Parks und Unmengen an skurrilen Unfällen. Wer im Sommer 2016 auf eine unverhoffte Ansammlung begeisterter Menschen traf, wusste: Hier wird Pokémon Go gespielt. In Los Angeles sorgte das Spiel noch später für Ärger: Zwei Polizisten pfiffen auf einen Raubüberfall. Weil sie lieber ein Pokémon verhaften wollten. 

      Das geht aus den Unterlagen eines Berufungsgerichts in Kalifornien hervor. Demnach waren die beiden Cops Louis L. und Eric M. im April 2017 mit einem Streifenwagen in Los Angeles unterwegs, als sie einen Notruf aus der Zentrale erhielten. Eine Filiale der US-Bekleidungskette Macy's im nahegelegenen Einkaufszentrum in Stadtteil Crenshaw sei von mehreren Personen überfallen worden. Doch die beiden ignorierten den Aufruf zum Einsatz. Auch eine zweite Aufforderung ließen sie unbeantwortet. Überführt wurden sie von einem Kamerasystem im Dienstwagen. Laut des Gerichts soll M. noch gesagt haben, dass L. entscheiden solle. Und ein "Scheiß drauf" als Antwort erhalten haben.Polizei Ausb USA 19.20

      Pokémon- statt Verbrecherjagd

      Statt zum Tatort habe sich das Auto dann vom Einkaufszentrum wegbewegt, so die Klage. Und auch der Grund dafür wurde aufgezeichnet: Ein Relaxo war bei Pokémon Go erschienen. "Es ist gerade aufgepoppt", alarmierte M. an seinen Kollegen. Schnell fingen die beiden im Wagen eine Diskussion an. Es ging aber nicht um eine Abwägung zwischen Dienstpflicht und Spiel - sondern um die Frage, über welche Route sie das virtuelle Sammeltier am schnellsten erreichen konnten. 

      Die beiden wussten: Die Uhr tickt. Schließlich verschwinden Pokémon nach kurzer Zeit schon wieder. "Wir haben vier Minuten", feuerte M. seinen Kollegen entsprechend an. Die schnelle Jagd nach dem Relaxo - es war einem "Hab es" durch M. zufolge offenbar schnell gefasst - artete danach aber noch aus. Schon auf dem Weg hatten die Beamten ein Togetic entdeckt, das sie als nächstes fangen wollten. "Lauf nicht weg, lauf nicht weg", ist M. in den Aufnahmen zu hören, während L. berichtet, er habe das Pokémon mit Items bearbeitet und einen Ultraball benutzt, bevor er schließlich den Sieg verkünden konnte. M. brauchte noch etwas länger. "Heilige Scheiße, das Vieh kämpft wie Sau", fluchte er. Bis auch von ihm ein erleichtertes "Heilige Scheiße, endlich" ertönte. 

      Insgesamt hatten die beiden laut den Aufzeichnungen knapp 20 Minuten mit der Jagd verbracht. Und die Räuber waren längst über alle Berge. Nicht, dass die Cops das mitbekommen hätten. Sie fuhren erstmal zu einem Supermarkt. Und kommentierten auf dem Weg ihre Fänge. "Die Jungs werden so eifersüchtig sein", soll M. gesagt haben. "Ich habe dir heute ein neues Pokémon besorgt, mein Junge."

      Ausreden und Gegenklagen

      Im Nachhinein wollen die beiden Beamten falsch verstanden worden sein. Sie hätten das Funkgerät nicht gehört, behaupteten sie gegenüber ihrem Vorgesetzten. Auch die Pokémon-Jagd soll ein Missverständnis sein, rechtfertigten sie sich bei einer Disziplinar-Befragung. Sie hätten sich lediglich über die Biester unterhalten. M. habe zudem währenddessen Nachrichten einer Freundesgruppe bekommen und diese kommentiert. Die Freunde hätten mit ihren Fängen geprahlt. "Detective McClanahan schloß, dass sie nicht die Wahrheit gesagt hatten", heißt es im Bericht.

      Die Aktion hatte für die beiden Beamten schwere Folgen. Beide wurden angeklagt, auf den Raub-Anruf nicht reagiert und darüber gelogen zu haben. Auch dass sie nicht geantwortet und sich dann nicht um den Notruf gekümmert hatten, wird ihnen vorgeworfen. Und schließlich kam noch die verbotene Pokémon-Jagd im Dienstwagen und die Lügen darüber hinzu. "Das Rechtsgremium hat sie daher einstimmig für schuldig befunden", heißt es in dem Bericht. Nur der Vorwurf, nicht auf den Notruf reagiert zu haben, wurde fallengelassen. Beide wurden entlassen.

      Nun hat das Berufungsgericht das Urteil bestätigt. Ziel der Berufungsklage der beiden war es gewesen, die Aufzeichnung ihrer Gespräche als Beweismittel unzulässig bewerten zu lassen. Es gehe bei dem System darum, "die Beamten mit einem Werkzeug zur Verbrechensbekämpfung auszustatten und nicht, ihre privaten Gespräche abzuhören", heißt es in einem Beschluss. Das gelte aber nicht für versehentlich aufgezeichnete Gespräche in einem Disziplinarverfahren, entschied das Gericht. Die Cops dürfen nun also nur noch Pokémon fangen - und keine Gangster mehr.

      Quelle:Gerichtsbericht

      Quelle: stern.de/digital/online/polizi…sfeed&utm_source=standard